Die Karriere, die Sie überdauert

Ihre Visitenkarte verliert ihre Gültigkeit. Was bleibt von dem Menschen, der sie getragen hat?

15 Min.


Wie hinterfragt Sterblichkeit unser Verständnis von Karriereerfolg?

An dem Tag, an dem Sie sterben, verliert Ihre Visitenkarte ihre Gültigkeit.

Der Titel unter Ihrem Namen öffnet keine Türen mehr.

CEO.

Gründer.

Direktor.

Professor.

Vorstandsvorsitzender.

Was auch immer dort stand – die Position kann am nächsten Morgen weiterhin existieren.

Sie nicht.

Auch das Geld auf Ihrem Bankkonto kann noch da sein.

Vielleicht sehr viel davon.

Vielleicht haben Sie Jahrzehnte damit verbracht, es zu vermehren, zu schützen, anzulegen und für eine Zukunft zurückzulegen, die irgendwo vor Ihnen zu warten schien.

Und dann, eines Tages, ohne Ihre Pläne zu berücksichtigen, geht die Zukunft einfach ohne Sie weiter.

Das Geld bleibt.

Aber es kann Ihnen keinen weiteren Morgen mehr kaufen.

Ihr Haus bleibt.

Ihre Investitionen bleiben.

In Ihrem Kalender stehen vielleicht noch Termine für nächsten Dienstag.

Ihre Altersvorsorge ist möglicherweise perfekt organisiert.

Die Welt geht mit all dem auf eine seltsam effiziente Weise um.

Sie macht einfach weiter.

Diese Erkenntnis hat etwas Unbehagliches.

Aber vielleicht auch etwas Nützliches.

Denn sie stellt eine Frage, die das Berufsleben uns nur selten stellt:

Was genau haben Sie all die Jahre aufgebaut?

### GEGEN FAST ALLES VERSICHERT

Menschen sind erstaunlich gut darin geworden, sich auf Risiken vorzubereiten.

Wir versichern unsere Häuser gegen Feuer.

Unsere Autos gegen Unfälle.

Unsere Gesundheit gegen Behandlungskosten.

Unsere Unternehmen gegen Betriebsunterbrechungen.

Unser Einkommen gegen Ausfall.

Wir schließen sogar etwas ab, das Lebensversicherung heißt.

Doch selbst eine Lebensversicherung versichert nicht das Leben selbst.

Sie kann die Menschen, die zurückbleiben, vor einigen finanziellen Folgen Ihres Todes schützen.

Sie kann Sie nicht davor schützen, derjenige zu sein, der gestorben ist.

Noch keine Police wurde geschrieben, die ein weiteres Jahr garantiert.

Keine Prämie kauft Immunität gegen Sterblichkeit.

Kein Vertrag verpflichtet den morgigen Tag dazu, Sie mitzubringen.

Wir versichern fast alles, dessen Verlust wir fürchten – außer dem einen, das wir mit Sicherheit verlieren werden.

Unsere Zeit.

Das macht Versicherungen nicht unsinnig.

Es macht Sparen nicht unsinnig.

Für die Zukunft zu planen ist vernünftig.

Eine gut geplante Zukunft mit einer garantierten Zukunft zu verwechseln, ist etwas völlig anderes.

Es kann eine subtile psychologische Verschiebung stattfinden, wenn wir genügend Schutzschichten um uns herum aufbauen.

Ersparnisse.

Versicherungen.

Eigentum.

Status.

Kontakte.

Altersvorsorge.

Eine sorgfältig aufgebaute Karriere.

Jede dieser Schichten reduziert einen Teil der Unsicherheit.

Und allmählich, ohne dass wir es jemals laut aussprechen, beginnen wir vielleicht damit, die Zukunft so zu behandeln, als gehöre sie uns.

Als hätte Vorbereitung sich in Besitz verwandelt.

Aber morgen ist kein Eigentum.

Für morgen zu sparen ist nicht das Problem.

Zu vergessen, dass uns morgen nicht versprochen wurde, ist es.

### DIE KARRIERE, DIE WIR SEHEN KÖNNEN

Die moderne Gesellschaft ist sehr gut darin, beruflichen Fortschritt zu erkennen.

Wir haben eine Sprache dafür.

Junior.

Senior.

Manager.

Director.

Vice President.

CEO.

Wir haben Gehälter.

Beförderungen.

Zertifikate.

Abschlüsse.

Auszeichnungen.

Leistungsbeurteilungen.

Follower.

Kontakte.

Berufsbezeichnungen.

Es gibt Plattformen, die fast ausschließlich dazu dienen, diese Bewegungen festzuhalten.

Sie aktualisieren Ihr Profil.

Eine neue Position erscheint unter Ihrem Namen.

Menschen gratulieren Ihnen.

Der Pfeil zeigt nach oben.

Berufliche Karriere:

Junior → Senior → Manager → Director → CEO

Die Richtung ist klar.

Nach oben.

Aber stellen Sie sich vor, direkt daneben gäbe es eine zweite Linie.

Menschliche Karriere:

?

In welche Richtung würde diese Linie verlaufen?

Diese Frage ist schwieriger, weil es dafür kein allgemein anerkanntes Dashboard gibt.

Kein Unternehmen fordert Sie auf, Ihr Profil zu aktualisieren, weil Sie endlich gelernt haben, sich zu entschuldigen, ohne sich gleichzeitig zu verteidigen.

Es gibt keine Beförderungsmeldung dafür, dass Sie geduldiger mit Ihren Kindern geworden sind.

Kein Zertifikat erscheint, weil Sie aufgehört haben, jede Diskussion gewinnen zu müssen.

Kein Recruiter meldet sich bei Ihnen, weil Sie zu einem Menschen geworden sind, dem Freunde vertrauen können, wenn es schwierig wird.

Für das Zuhören gibt es keine Gehaltserhöhung.

Und doch sind auch das Formen von Entwicklung.

Vielleicht sogar schwierigere.

Eine berufliche Karriere zeigt, welche Position Sie im Leben erreicht haben.

Eine menschliche Karriere fragt, zu was für einem Menschen Sie geworden sind, während Sie dort ankamen.

Beide Karrieren können gemeinsam steigen.

Das können sie.

Erfolg verlangt keine Grausamkeit.

Ehrgeiz verlangt keine Vernachlässigung.

Geld zerstört nicht automatisch den Charakter.

Führung erzeugt nicht automatisch Arroganz.

Ein Mensch kann ein bemerkenswertes Unternehmen aufbauen und gleichzeitig ein tieferer, freundlicherer und weiserer Mensch werden.

Aber es gibt keine Garantie dafür, dass beide Linien gemeinsam verlaufen.

Berufliche Karriere ↗ ↗ ↗ ↗ ↗

Menschliche Karriere ↗ → ↘ ↓ ?

Und vielleicht ist das wichtigste Zeichen in der zweiten Linie das Fragezeichen.

Denn die erste Kurve misst das System meist für Sie.

Für die zweite sind größtenteils Sie selbst verantwortlich.

### WAS IST AUF DEM WEG NACH OBEN MIT IHNEN GESCHEHEN?

Eine Beförderung ist leicht zu erkennen.

Eine Veränderung des Charakters nicht.

Nehmen wir an, Ihr Berufsleben läuft außergewöhnlich gut.

Ihr Einkommen steigt.

Ihre Autorität wächst.

Mehr Menschen berichten an Sie.

Ihre Entscheidungen betreffen größere Budgets.

Mehr Menschen kennen Ihren Namen.

Das Büro wird größer.

Der Titel wird kürzer.

Vielleicht reichen irgendwann drei Buchstaben.

CEO.

Die berufliche Kurve sieht hervorragend aus.

Aber stellen Sie sich vor, daneben würde ein weiteres Dashboard erscheinen.

Geduld ↓

Zeit mit der Familie ↓

Freundschaften ↓

Fähigkeit zuzuhören ↓

Vertrauensfähigkeit ↓

Schlaf ↓

Bedürfnis nach Bestätigung ↑

Angst vor Statusverlust ↑

Gereiztheit bei Widerspruch ↑

Distanz zu Menschen, die Sie vor Ihrem Erfolg kannten ↑

Wie sieht Erfolg jetzt aus?

Das ist kein Argument dagegen, CEO zu werden.

Es ist ein Argument dagegen, einen Menschen mit nur einer einzigen Kurve zu messen.

Wir fragen ständig:

Wie weit sind Sie aufgestiegen?

Vielleicht sollte daneben noch eine zweite Frage stehen:

Was ist auf dem Weg nach oben mit Ihnen geschehen?

### DIE MOMENTE, IN DENEN DER TITEL NICHT MEHR FUNKTIONIERT

Es gibt Momente im Leben, in denen berufliche Hierarchie plötzlich einen großen Teil ihrer Macht verliert.

Ein Krankenhausflur kann das sehr schnell schaffen.

Ein Arzt kommt auf Sie zu.

Mit jemandem, den Sie lieben, ist etwas Unumkehrbares geschehen.

Jahrelang konnte Ihr Titel Türen öffnen.

Er konnte Termine verschieben.

Er konnte dafür sorgen, dass Menschen zurückrufen.

Er konnte Assistenten zwischen Sie und Unannehmlichkeiten stellen.

Aber es gibt Türen, die keine Titel erkennen.

Es gibt Diagnosen, denen egal ist, wie viele Menschen Ihnen unterstellt sind.

Geld kann Zugang zu hervorragender medizinischer Versorgung ermöglichen.

Es kann Zeit, Komfort, Expertise und Optionen kaufen.

Das ist wichtig.

Aber irgendwann gibt es Grenzen, jenseits derer Geld nicht mehr verhandeln kann.

Es gibt Momente, in denen die Zahl auf dem Konto genau das eine nicht kaufen kann, was Sie wirklich wollen.

Die Vergangenheit zurück.

Ein anderes Beispiel ist stiller.

Ihr Kind sieht Sie eines Tages an und sagt:

Du warst nie da.

Was können Sie daraufhin auf den Tisch legen?

Ihre Beförderungen?

Ihr Jahreseinkommen?

Das Haus, das Sie gekauft haben?

Die Erklärung, dass Sie doch für die Familie gearbeitet haben?

Vielleicht waren diese Dinge wichtig.

Vielleicht waren Opfer tatsächlich notwendig.

Das Leben ist selten einfach genug für schnelle Urteile.

Aber manche Abwesenheiten lassen sich im Nachhinein nicht in Versorgung umrechnen.

Sie können mit dem Geld, das Sie verdient haben, als Ihr Kind fünfzehn war, nicht zu seinem fünften Geburtstag zurückkehren.

Zeit akzeptiert keine Rückerstattung.

Oder stellen Sie sich vor, Ihr Partner oder Ihre Partnerin sagt nach zwanzig Jahren:

Ich kenne dich nicht mehr.

Vielleicht haben Sie gelernt, tausend Menschen zu führen, und trotzdem nie gelernt, mit einem einzigen Menschen zusammenzuleben.

Ein Titel kann innerhalb einer Organisation Autorität schaffen.

Er schafft keine Nähe.

Geld kann Menschen in einen Raum bringen.

Es kann Ihnen nicht sagen, warum sie geblieben sind.

Und vielleicht lautet eine der unbequemsten Fragen, die Erfolg hervorbringen kann:

Wenn mein Titel morgen verschwände – wer würde dann noch an meinem Tisch sitzen wollen?

### MENSCHEN, DIE SIE BRAUCHEN, UND MENSCHEN, DIE SIE WOLLEN

Beruflicher Erfolg kann die Zahl der Menschen, die etwas von Ihnen brauchen, drastisch erhöhen.

Mitarbeiter brauchen Entscheidungen.

Investoren brauchen Rendite.

Kunden brauchen Antworten.

Lieferanten brauchen Verträge.

Organisationen brauchen Unterschriften.

Netzwerke brauchen Zugang.

Das Telefon eines erfolgreichen Menschen kann sehr beschäftigt sein.

Das lässt sich leicht mit menschlicher Verbundenheit verwechseln.

Aber Notwendigkeit und Zuneigung sind nicht dasselbe.

Autorität und Respekt sind nicht dasselbe.

Sichtbarkeit und Freundschaft sind nicht dasselbe.

Von Menschen umgeben zu sein und wirklich gekannt zu werden sind nicht dasselbe.

Beruflicher Erfolg kann die Zahl der Menschen erhöhen, die Sie brauchen.

Ihre menschliche Karriere zeigt vielleicht, wie viele bleiben, wenn sie Sie nicht mehr brauchen.

Würden sie noch anrufen, wenn Sie nichts mehr für sie tun könnten?

Würden sie noch kommen, wenn im Raum keine Gelegenheit mehr auf sie wartete?

Würden sie noch ehrlich mit Ihnen sprechen, wenn Sie nichts mehr kontrollierten, was sie wollten?

Würden sie noch neben Ihnen sitzen, wenn der Titel verschwände?

Diese Fragen sind gerade deshalb schwierig, weil beruflicher Erfolg ihre Antworten manchmal schwerer erkennbar macht.

### DIE WÄHRUNG, DIE NIE AUF IHRER GEHALTSABRECHNUNG STEHT

Jede Karriere wird mit etwas bezahlt.

Normalerweise stellen wir uns den Tausch einfach vor.

Zeit gegen Gehalt.

Fähigkeit gegen Gelegenheit.

Verantwortung gegen Aufstieg.

Anstrengung gegen Status.

Doch es gibt noch eine andere Währung, die ununterbrochen ausgegeben wird.

Leben.

Jede Beförderung wird zumindest teilweise mit einer Währung bezahlt, die niemals auf der Gehaltsabrechnung erscheint:

Zeit.

Berufserfahrung ↑

Einkommen ↑

Status ↑

Verbleibende Lebenszeit ↓

Verbleibende Jahre der Eltern ↓

Kindheit der Kinder ↓

Körperliche Jugend ↓

Auch das ist kein Argument gegen Arbeit.

Arbeit kann Sinn schaffen.

Etwas Schwieriges aufzubauen kann zutiefst menschlich sein.

Für andere zu sorgen ist wichtig.

Können ist wichtig.

Beitrag ist wichtig.

Ehrgeiz selbst ist nicht der Feind.

Das Problem beginnt, wenn „später“ zum dauerhaften Wohnort des Lebens wird.

Nach diesem Projekt.

Nach der Beförderung.

Nach dem nächsten Umsatzziel.

Nach der Hypothek.

Wenn die Kinder älter sind.

Wenn ich genug gespart habe.

Nach der Rente.

Dann werde ich langsamer machen.

Dann werde ich reisen.

Dann werde ich anrufen.

Dann werde ich die Beziehung reparieren.

Dann werde ich mich um mich selbst kümmern.

Dann werde ich leben.

Aber es gibt keine Karrierestufe namens Später.

Auf der Leiter gibt es immer noch eine weitere Sprosse.

Und in jedem Plan für die Zukunft steckt eine merkwürdige Möglichkeit:

Die Person, für die Sie diese Zukunft zurücklegen, könnte dort niemals ankommen.

Die Tragödie besteht nicht darin, dass wir Geld sparen.

Die Tragödie beginnt, wenn wir so viel von unserem Leben für später aufsparen, dass von uns selbst zu wenig übrig ist, wenn später endlich kommt.

### ZWEI KARRIEREN

Vielleicht sollten wir deshalb anerkennen, dass die meisten von uns gleichzeitig zwei Karrieren aufbauen.

Die erste ist sichtbar.

Berufliche Karriere.

Sie enthält:

was Sie gelernt haben,

was Sie aufgebaut haben,

was Sie verdient haben,

welche Position Sie erreicht haben,

welche Verantwortung Sie getragen haben,

welche Wirkung Ihre Arbeit hatte.

Die zweite ist weniger sichtbar.

Menschliche Karriere.

Sie enthält Fragen anderer Art.

Hat Erfolg Sie großzügiger gemacht oder ängstlicher?

Hat Macht Sie vorsichtiger im Umgang mit Menschen gemacht oder weniger?

Haben Sie gelernt zuzugeben, wenn Sie falsch lagen?

Sind Sie fähig geworden zuzuhören, ohne schon währenddessen Ihre Antwort vorzubereiten?

Haben die Menschen, die Ihnen am nächsten stehen, das Beste von Ihnen bekommen – oder nur das, was nach der Arbeit noch übrig war?

Sind Sie neugieriger geworden?

Ehrlicher?

Verlässlicher?

Fähiger zu lieben?

Haben Sie repariert, was Sie beschädigt haben?

Wenn Sie jemanden verletzt haben, was taten Sie danach?

Als Sie Macht bekamen, was taten Sie damit?

Als Sie etwas Wichtiges verloren, was zeigte Ihnen dieser Verlust?

Wer waren Sie, wenn niemand zusah?

Diese Art von Karriere besitzt keine klare Hierarchie.

Vielleicht sollte sie auch keine haben.

Es sollte vermutlich keinen Senior Human Being geben.

Keinen Vice President of Compassion.

Kein Level-7-Humility-Zertifikat.

Keine Rangliste der besten ein Prozent aller Zuhörer.

In dem Moment, in dem wir Menschlichkeit zu einer weiteren Leistungskennzahl machen, riskieren wir, genau das Problem zu reproduzieren, das wir eigentlich untersuchen wollten.

### WIE WÜRDE EINE PLATTFORM FÜR DIE MENSCHLICHE KARRIERE AUSSEHEN?

Trotzdem ist das Gedankenexperiment nützlich.

Wir haben Plattformen, auf denen berufliche Karrieren dokumentiert werden.

Was würde eine Plattform für eine menschliche Karriere festhalten?

Vielleicht keine Erfolge.

Veränderungen.

Nicht:

Zum Director befördert.

Sondern:

Ich habe gelernt, dass Recht zu haben nicht immer wert war, was es meine Beziehungen kostete.

Nicht:

Advanced Leadership Certification abgeschlossen.

Sondern:

Ich habe mich bei jemandem entschuldigt, dem ich zehn Jahre lang aus dem Weg gegangen bin.

Nicht:

Berufliches Netzwerk auf 10.000 Kontakte erweitert.

Sondern:

Ich habe erkannt, dass ich Hunderte Kontakte hatte und niemanden, den ich nachts um drei hätte anrufen können.

Nicht:

Organisatorische Umstrukturierung erfolgreich geleitet.

Sondern:

Ich bemerkte, dass Macht die Art veränderte, wie ich mit Menschen sprach, die mir nicht widersprechen konnten.

Eine solche Plattform würde in dem Moment gefährlich, in dem sie Punkte vergeben würde.

Menschliche Karriere: 84/100.

Mitgefühl: +7 %.

Bescheidenheit: Top 5 %.

Glückwunsch. Sie haben Empathie Gold freigeschaltet.

Das wäre absurd.

Schlimmer noch: Es würde Menschen beibringen, Güte für Sichtbarkeit aufzuführen.

Freundlichkeit würde zu Branding.

Reflexion würde zu Content.

Anderen zu helfen würde zum Portfolio-Baustein.

Bescheidenheit würde zu einem weiteren Abzeichen, das das Ego trägt.

Vielleicht wäre der Zweck einer solchen Plattform also gar nicht, eine menschliche Karriere öffentlich auszustellen.

Sondern uns daran zu erinnern, dass es überhaupt eine gibt.

Keine Rangliste.

Ein Spiegel.

### DIE LETZTE BILANZ

Der Tod führt eine seltsame Bilanzprüfung durch.

Kein moralisches Urteil.

Keine kosmische Buchhaltung.

Etwas viel Einfacheres.

Er nimmt Ihnen augenblicklich die Möglichkeit, viele der Dinge zu benutzen, die Sie Ihr Leben lang angesammelt haben.

Ihren Titel.

Ihr Gehalt.

Ihr Büro.

Ihre Autorität.

Ihre Passwörter.

Ihren Kalender.

Ihre Aktien.

Ihre Bonuspunkte.

Ihre sorgfältig gepflegten Versicherungen können weiterhin für die Menschen funktionieren, die Sie zurücklassen.

Ihre Investitionen können weiterhin Rendite erzielen.

Ihr Unternehmen kann weiterarbeiten.

Ihr Nachfolger sitzt vielleicht schneller auf Ihrem Stuhl, als es irgendjemand gerne zugeben möchte.

Die Maschinerie läuft weiter.

Aber Sie nehmen nicht mehr daran teil.

Die Pläne bleiben.

Die Konten bleiben.

Die Welt bleibt.

Sie nicht.

Und genau dort wird die zweite Karriere sichtbar.

Denn auch andere Dinge bleiben.

Ein Satz, den Sie einmal zu jemandem gesagt haben, als dieser kurz davor war aufzugeben.

Die Art, wie Ihre Kinder gelernt haben, Menschen zu behandeln, indem sie Sie beobachteten.

Das Selbstvertrauen, das Sie jemandem gegeben haben.

Die Angst, die Sie in jemandem erzeugt haben.

Der Mensch, der noch immer lacht, wenn er sich an etwas Dummes erinnert, das Sie vor zwanzig Jahren gemeinsam getan haben.

Der Mitarbeiter, der sich daran erinnert, dass Sie ihn geschützt haben, obwohl es einfacher gewesen wäre, es nicht zu tun.

Der Freund, der sich daran erinnert, dass Sie ans Telefon gegangen sind.

Der Mensch, der noch immer eine Entschuldigung mit sich trägt, die Sie nie ausgesprochen haben.

Die Beziehung, die Sie repariert haben.

Die Beziehung, die Sie geopfert haben.

Die Menschen, die ein wenig anders geworden sind, weil Sie durch ihr Leben gegangen sind.

Die Welt kann erben, was Ihnen gehörte.

Andere Menschen erben, wer Sie waren.

### WAS WERDEN SIE SAGEN?

Stellen Sie sich für einen Moment Ihre eigene Abwesenheit vor.

Nicht dramatisch.

Nur praktisch.

Ihr Schreibtisch ist leer.

Ihr Telefon schweigt.

Jemand schließt Ihre Konten.

Jemand sagt Ihre Termine ab.

Irgendwann entfernt jemand Ihren Namen aus einem System.

Das Unternehmen aktualisiert sein Organigramm.

Das Leben organisiert sich um den Platz herum neu, den Sie hinterlassen haben.

Was würden Sie wollen, dass die Menschen sagen, die Sie wirklich kannten?

Er war CEO?

Sie war Senior Vice President?

Er hatte ein beeindruckendes Portfolio?

Sie hat ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut?

Vielleicht.

An all diesen Dingen ist nichts falsch.

Ein Leben voller sinnvoller Arbeit verdient Anerkennung.

Aber würden Sie wollen, dass der Satz dort endet?

Oder würde etwas viel Einfacheres mehr bedeuten?

Er war ein guter Mensch.

Sie behandelte Menschen gut.

Ich konnte ihm vertrauen.

Sie war da, wenn es darauf ankam.

Er hat mein Leben besser gemacht.

Sie hörte zu.

Er hielt sein Wort.

Sie half mir, mehr aus mir zu machen, als ich selbst für möglich hielt.

Solche Sätze passen nicht besonders gut auf eine Visitenkarte.

Vielleicht sind sie gerade deshalb wichtig.

Ihre berufliche Karriere dokumentiert, was Sie in der Welt erreicht haben.

Ihre menschliche Karriere dokumentiert, was die Welt durch Sie erlebt hat.

Die eine zeigt, wie weit Sie aufgestiegen sind.

Die andere zeigt, was auf dem Weg nach oben mit Ihnen geschehen ist.

Beide sind wichtig.

Aber nur eine von ihnen kann weiterleben, wenn die Position verschwunden ist.

Also bauen Sie das Unternehmen auf.

Lernen Sie Ihr Handwerk.

Nehmen Sie die Beförderung an.

Verdienen Sie das Geld.

Sparen Sie für morgen.

Versichern Sie, was sich versichern lässt.

Tun Sie diese Dinge gut.

Stellen Sie nur gelegentlich eine zweite Kurve neben die, auf die alle anderen schauen.

Und fragen Sie sich, wohin diese Linie führt.

Denn eines Tages verliert Ihre Visitenkarte ihre Gültigkeit.

Ihr Kontostand kann noch existieren, aber er kauft Ihnen keine weitere Stunde.

Ihre Versicherung kann diejenigen schützen, die Sie zurücklassen, aber sie kann Sie nicht davor versichern, sie zu verlassen.

Und wenn Ihr Titel Sie nicht mehr vorstellt, wenn Ihr Geld Ihnen nicht mehr dienen kann, wenn Ihr Büro jemand anderem gehört und Ihr Kalender ohne Sie weiterläuft, bleibt eine Frage:

Zu was für einem Menschen sind Sie geworden, während Sie damit beschäftigt waren, erfolgreich zu werden?

✦ Collective Consciousness +
Traces
No traces yet.
Echoes
Silent space.
Leave a Trace (One Word)
Send an Echo (Thought or Question)
1000
Wish to add your own essay to the collective consciousness? Contact us.
Share: Facebook X LinkedIn WhatsApp Telegram
~C~ & Assistant