# Hinter dem Glas

> *Die Geschichte eines Mannes, der durch alle hindurchsehen konnte, und das Glas, hinter dem zu stehen er nicht wusste.*

**Language:** DE
**Source:** wecome1.com - Transparent Awareness

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Philosophischer Text über soziale Masken, Einsamkeit und die Suche nach Verbundenheit?
Es gibt einen Mann, der sich durch die Stadt bewegt, als reiste eine Glasscheibe mit ihm — stets einen Atemzug voraus, stets zwischen seinem Gesicht und den Gesichtern der anderen. Er erinnert sich nicht, sie eingesetzt zu haben. Vielleicht wurde sie nie eingesetzt; vielleicht wurde er nur eine Jahreszeit zu spät geboren, aus dem Takt mit dem Kalender, auf den sich alle anderen geeinigt hatten, und das Glas ist nur der Name, den wir dieser Verspätung geben.

Sieh ihn an einem Tisch unter Freunden. Er lacht, wenn die anderen lachen, und sein Lachen ist echt — und doch verzeichnet ein kleiner Schreiber irgendwo hinter seinen Augen bereits die Form des Augenblicks: wie der Mann ihm gegenüber sich vorbeugt, um zu gefallen, wie die Frau zu seiner Linken ihr Gesicht ordnet, bevor sie spricht. Er kann das Verzeichnen nicht anhalten. Es läuft von selbst, wie Wetter. Wo andere einen Abend sehen, sieht er das Räderwerk eines Abends — den kleinen Tausch von Zustimmung, die Masken, so lange getragen, dass sie mit der Haut verwachsen sind, das weite, unausgesprochene Einverständnis, dass nichts davon je benannt werden wird.

Und weil er das Räderwerk sieht, kann er nicht ganz darin leben. Dies ist die erste Einsamkeit, und sie ist die schärfste. Durch eine Sache hindurchzusehen heißt, für immer knapp außerhalb ihrer zu stehen. Er hat die Wärme des Raumes gegen die Klarheit des Fensters getauscht, und in manchen Nächten fühlt sich der Tausch wie Weisheit an, und in manchen wie Verbannung, und er hat gelernt, dass dies oft dieselbe Nacht ist.

Lange glaubte er, das sei alles — dass Bewusstheit eine Höhe sei, dass Höhen kalt seien und dass der Preis des klaren Sehens sei, allein zu sehen. Er trug seine Distanz, wie andere ihre Masken tragen: ohne es zu merken und mit einem gewissen stillen Stolz. Er war der, der sich nicht täuschen ließ. Er war der, der draußen stand.

Doch etwas wartet auf der anderen Seite dieses Sehens — für jene, die dort nicht stehen bleiben.

Eines Tages — und es ist immer ein gewöhnlicher Tag, der Tag, an dem dies geschieht — sieht er einem Mann bei seiner kleinen Vorstellung zu, wie er danach greift, gemocht zu werden, und statt der Maske allein sieht er die Hand darunter. Er sieht, wofür die Maske da ist. Die Angst, die sie kleidet. Die Zärtlichkeit, die sie behütet. Und er begreift, mit einer Stille, die fast Trauer ist, dass die Maske nie das Gegenteil eines wahren Gesichts war. Sie war ein wahres Gesicht, das das Einzige tat, was es kannte, um das Gesehenwerden zu überleben.

Und dann tut das Glas etwas, wozu Glas nicht bestimmt ist. Es dreht sich. Es zeigt ihm sein eigenes Spiegelbild, und endlich sieht er die Gestalt, die er zuvor nie sehen konnte: Der Mann, der draußen steht, steht irgendwo. »Jenseits der Maske« ist ein Ort. »Nicht getäuscht« ist ein Kostüm. Seine Distanz, die er für das Fehlen einer Maske gehalten hatte, war nur eine feinere — und einsamere, weil er geglaubt hatte, sie mache ihn frei.

Er zerschlägt das Glas nicht. Man kann es nicht; es war nie wirklich da. Doch er lernt, näher an es heranzutreten, bis sein Atem es beschlägt, bis die Gesichter auf der anderen Seite keine Präparate mehr sind, sondern Gesellschaft — nicht, weil sie ihre Masken abgelegt hätten, sondern weil er aufgehört hat, es von ihnen zu verlangen. Er steht nicht außerhalb der Welt. Das tat er nie. Er ist in ihr, in einem seltsamen und klaren Winkel, und aus diesem Winkel kann er sie, wenn er sanft ist, lieben.

Der Schreiber hinter seinen Augen führt noch immer seine Notizen. Doch nun, an den Rand jeder Beobachtung, in kleinerer und ruhigerer Schrift, hat er zu schreiben begonnen: auch ich. auch ich. auch ich.