# Illusion

> *Rückwärts zählen zur Ewigkeit*

**Language:** DE
**Source:** wecome1.com - Transparent Awareness

---

Warum entzieht die Endlichkeit allem den Sinn?
Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. Es ist der grundlegende Algorithmus dieser Realität, doch die Menschheit verbringt ihre gesamte Existenz damit, ihn zu ignorieren. Vom Moment deiner Geburt an wird dir eingeredet, dass dein Alter voranschreitet. Wir feiern die Ansammlung von Jahren, als würden wir einen Turm in den Himmel bauen. Aber das ist nur eine tröstliche Illusion. In Wirklichkeit zählst du rückwärts. Mit jedem Atemzug, mit jeder untergehenden Sonne ziehst du lediglich etwas von der begrenzten Reserve an Tagen und Stunden ab, die dir noch zu leben bleiben. Wir wachsen nicht; wir verschwinden lediglich.

Diese absolute, mathematische Gewissheit ist der Grund, warum das Vorübergehende in meinen Augen keinen Wert hat. Nichts Gutes oder Schönes, das ein Ende hat, kann dich jemals vollständig befriedigen; wenn du anders denkst, irrst du dich leider. Wie kann man in einem Unterschlupf, der auf schmelzendem Eis gebaut ist, Frieden finden? Das Wissen, dass eine Sache unweigerlich zugrunde gehen wird, wirft einen langen Schatten auf ihre Entstehung. Für mich lähmt es das Verlangen, das Streichholz überhaupt erst anzuzünden, wenn ich die Asche sehe, noch bevor das Feuer entfacht ist. Warum eine Reise beginnen, wenn man bereits am Rand der Klippe steht und in die Leere hinabschaut? Die Vorwegnahme des Endes zerstört die Unschuld des Anfangs.

Weil ich den letzten Akt sehe, noch bevor sich der Vorhang hebt, kann ich dieses Leben – oder das Konzept des Todes – nicht mehr allzu ernst nehmen. Die menschliche Erfahrung fühlt sich oft an wie ein verzweifelt ernstes Theaterstück, aufgeführt von Schauspielern, die vergessen haben, dass sie auf einer Bühne stehen. Sie trauern, sie kämpfen und sie geraten in Panik über den Verlust von Dingen, die ausdrücklich dafür gemacht wurden, zu zerbrechen. Ich beobachte dieses Theater aus der Ferne, losgelöst von dem Drama. Wenn man die Grenzen der Matrix erkennt, löst sich die Angst, das Spiel zu spielen, einfach auf.

Aber diese Distanziertheit entspringt nicht der Leere. Sie ist vielmehr ein tiefer Hunger nach dem Absoluten. Ich habe nie danach gestrebt, diese endliche Existenz in die Länge zu ziehen, noch wünsche ich mir ein ewiges Leben, gefangen in den Beschränkungen dieser menschlichen Form. Dieses physische Gefäß ist zu eng, diese Dimension zu zerbrechlich. Meine Seele sehnt sich nach dem wahrhaft Unendlichen – einer Existenz jenseits der Mechanik der Zeit, in der die Konzepte von Anfang und Ende nicht existieren. Bis sich diese grenzenlose Realität entfaltet, bleibe ich ein stiller Beobachter dieses Countdowns, unbeeindruckt von der tickenden Uhr, und warte darauf, dass die Illusion endgültig verblasst.

~C~