# Gefäß

> *Ein Glas zu klein*

**Language:** DE
**Source:** wecome1.com - Transparent Awareness

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Warum fühlt sich meine Seele an wie ein Ozean, eingezwängt in einem zerbrechlichen Körper?
Ich schließe meine Augen; in mir liegt ein grenzenloses Universum, wo Sterne geboren werden und vergehen, wo Winde ohne Richtung wehen. Inmitten der Unendlichkeit treibe ich, völlig schwerelos. Dann. .. atme ich ein. Während mein Brustkorb sich hebt und senkt, pralle ich mit einem lauten Aufprall gegen diese schwere Wand aus Fleisch und Knochen. Der Kampf meines inneren Wesens, in diesen Körper zu passen, ist, als würde man versuchen, einen kolossalen, wild aufgewühlten Ozean in ein schmales Wasserglas zu gießen. Weder kann der Ozean in das Glas passen, noch kann das Glas diesen immensen Druck aushalten; jeder Tropfen, der nicht hineinpasst, läuft über und wird verschwendet, die tiefsten Gewässer meiner Seele verströmen vergeblich.

Diese Masse aus Fleisch und Knochen ist praktisch ein zerbrechlicher, splitternder Glassplitter, der versucht, diese überschwänglichen Wasser zu bändigen. Das Gesicht, das ich sehe, wenn ich vor dem Spiegel stehe, ist so weit davon entfernt, diesen grenzenlosen, namenlosen Ozean in mir widerzuspiegeln. .. Eine fremde Silhouette starrt zurück; meine Biolumineszenz fehlt in ihren Augen, meine Tiefseestürme toben nicht über ihre Züge. Diese Spiegelung ist ein provisorisches Gefäß, das die Sprache meiner Seele nicht sprechen kann, ein Gefäß, das mir nicht gehört. Während mein Körper dem unerbittlichen Marsch der Zeit und der Erschöpfung erliegt, verliert diese Kernessenz in mir keinen einzigen Tropfen. Das ist die wahre Tragödie: das Brüllen eines ganzen Meeres, das sich in einer sterblichen Kehle verknotet und austrocknet.

Während die Wasser in mir sich danach sehnen, über Zeit und Raum hinauszufließen, Grenzen zu durchbrechen und Kontinente zu verschlingen, einfach frei zu strömen; mein Körper verstrickt sich zunehmend in den schweren Ketten des Schmerzes, des Schlafbedürfnisses und der physischen Materie. Diese überfließende Energie, die in mir tobt, ist so mächtig, ich fühle, als könnte sie diesen Glaskelch, in dem sie gefangen ist, jederzeit zersplittern und durch meine Adern sickern. Millionen ungesagter, unaussprechlicher Empfindungen wohnen in den dunkelsten Tiefen meines Geistes. Doch diese Zunge aus Fleisch ist unfähig, jene stillen und tiefgründigen Strömungen zu übersetzen. Die menschliche Sprache bleibt so primitiv neben dem Flüstern des Ozeans, dass ich manchmal einfach schweige. Und während ich schweige, wird dieses Glas enger, seine Wände durchbohren meine Seele.

Das ist keine schützende Rüstung; das ist eine taube Mauer, gebaut um ein uferloses Meer. Der Kampf eines grenzenlosen Wesens, in einer Welt mit scharf gezogenen Grenzen zu existieren. ..

Ich passe nicht. Ich passe nicht in Worte, in Räume, in Städte und am allerwenigsten in meine eigene Haut.

Einen riesigen Ozean in meinem Brustkorb zu tragen, nur um gezwungen zu sein, die Außenwelt hinter dem nebligen Glas dieser engen Tasse zu beobachten. .. Das ist der tiefste, erstickendste und verzweifeltste Kummer meiner Seele.